Dienstag, 27. November 2018

Am Inle-See

Unsere erste Nacht am Inle-See war sehr geruhsam. Trotzdem wollten wir es gestern, an unserem ersten Tag am See, ruhig angehen. Ich ließ es mir allerdings nicht nehmen, in meinem neuen Longyi und mit Thanaka-Puder geschminkt zum Frühstück zu erscheinen 😊

Die Figuren stehen am Eingang zum Inle Resort & Spa,
wenn man sich von der See-Seite nähert.

Nach dem Frühstück machten wir uns dann, ausgestattet mit einer kleinen Übersichtskarte, die wir an der Rezeption unseres Hotels erhalten hatten, zu Fuß auf den Weg ins nächstgelegene Dorf. Sobald wir das Hotelgelände verließen, sprach uns ein junger Burmese an und gab uns den Tipp, uns nach rechts in Richtung Süden zu halten. Okay, wir wollten eh nur auskundschaften, ob es in der Umgebung Restaurants gab, denn die Preise in unserem Hotel, dem Inle Resort & Spa, waren doch schon ziemlich abgehoben, wie wir am Vorabend festgestellt hatten. Zudem war das Angebot an Speisen im Hotelrestaurant überschaubar, wenn auch recht lecker.

Schnell stellten wir fest, dass es in der Umgebung nicht viel Auswahl gab. Wir spazierten weiter und nach ca. 3 km kamen wir an einen Abzweig, der zu einem am See gelegenen Dorf, Mine Thauk, führte. Das Dorf kann man über einen Holzsteg erreichen. Die Häuser sind auf Pfählen im See errichtet und auch untereinander mit Holzstegen verbunden. Manche der Häuser können nur per Boot erreicht werden.





Waschtag (1)
Das Ganze ist sehr malerisch und idyllisch. Als wir dann im Dorf den ersten Einbein-Fischer sahen, der seiner Arbeit nachging, waren wir ganz aus dem Häuschen! Das Rudern unter Zuhilfenahme des Beines ist typisch für die Fischer vom Inle-See und hat den Vorteil, dass die Hände frei bleiben, um Netze auszuwerfen oder Reusen einzusammeln.


Im Dorf gab es auch einige Restaurants, aber wir hatten eigentlich keine Lust, die Strecke abends zurückzulegen, dafür war es doch zu abgelegen. Alternativ hätten wir auch mit dem Boot vom Hotel aus in den Ort Nyaung Shwe fahren können, aber eine fast halbstündige Fahrt in der abendlichen Kälte, nur um bei den Essenkosten zu sparen, war auch nicht das, was uns vorschwebte. Wir aßen letztendlich jeden Abend im Hotel.

Übrigens hatte der junge Burmese von vorhin sich an unsere Fersen geheftet. Wie sich herausstellte, besaß er ein Boot und wollte uns über den See zurück zu unserem Hotel bringen. Da die morgendlichen Kühle mittlerweile von der Mittagshitze abgelöst worden war, gefiel uns die Idee recht gut. Wir einigten uns für die kurze Fahrt auf eine Preis von 10.000 Kyat und jetzt waren wir schon zum zweiten Mal per Boot auf dem Inle-See unterwegs! (Zur Erinnerung: Bei unserer Ankunft am Vortag hatten wir von Nyaung Shwe aus auch ein Boot zum Hotel genommen.)



Der 900 m über Meeresspiegel gelegene Inle-See ist ca. 12.000 Hektar groß (ca. 40 x 5 km, bzw. 22 x 10 km, da sind sich die Quellen nicht einig und ich hatte keine Gelegenheit nachzumessen 😉) und recht flach. In der Trockenzeit beträgt die Tiefe etwa 2,10 m, in der Regenzeit 3,70 m. In 17 Dörfern am und auf dem See leben ca. 70.000 Menschen, die sich selbst Intha nennen (Söhne des Sees). 

Auf dem See betreiben die Intha Ackerbau, wobei Gemüse, Früchte und Blumen auf einer Mischung aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen angebaut werden. Das Ganze wird auf Bambuspfählen befestigt. 

Wasserhyazinthen am Inle See
Tomatenanbau auf dem See
Diese schwimmenden Gärten stellen aber auch eine Gefahr für das Habitat da, denn zum einen versumpft der See durch Vergrößerung der Anbaufläche immer mehr und zum anderen werden Düngemittel und Pestizide bei der Landwirtschaft benutzt, die dazu führen, dass einige der weltweit einzigartigen Schneckenarten im See bereits vom Aussterben bedroht sind. Abwässer, die ungereinigt vom Ufer eingeleitet werden, tragen auch dazu bei, dass die Wasserqualität immer schlechter wird.

Das Inle Resort vom See aus gesehen

 

Wieder am Hotel angekommen einigten wir uns mit unserem Bootsfahrer darauf, dass wir am nächsten Tag die Sightseeing-Tour auf dem Inle-See auch mit ihm machen wollten. Der Preis von 30.000 MMK für die Tagestour, den er uns anbot, erschien uns günstig. Was wir am und auf dem See am nächsten Tag entdeckten, könnt ihr hier nachlesen.

Den Nachmittag verbrachten wir dann am Pool, wobei an ein Baden im Pool nicht zu denken war: Die Wassertemperatur war eisig! Zum Sonnenuntergang zogen wir uns gegen die einsetzende abendliche Kühle eine Jacke über und gingen an die direkt am See gelegene Hotelbar. 

Darüber gibt es unter diesem Link ein separates Posting.



Montag, 26. November 2018

Von Bagan nach Inle

Die meisten Touristen nehmen ein Flugzeug, um von Bagan nach Heho, dem ca. 35 km nördlich vom Inle See gelegenen Flughafen zu gelangen (Ticketkosten um die 100 Euro plus ca. 35 Euro für ein Taxi zum See, Flugzeit ca. 30 Minuten, Fahrtzeit ca. 45 Minuten). Viele fahren mit dem Bus (Reisebus oder Minivan, ab ca. 12 Euro, Fahrtdauer 8 - 11 Stunden). Es gibt sogar einmal am Tag eine Zugverbindung, allerdings wird von dieser Variante generell abgeraten (zu langsam, zu dreckig).

Bei der Vorbereitung unserer Reise hatte ich irgendwo gelesen, dass die Bauarbeiten an der Straße zwischen Bagan und Nyaung Shwe, der direkt am Inle See gelegenen größeren Ortschaft, seit Mitte 2018 abgeschlossen seien und die Strecke nunmehr gut befahrbei sei. Wir entschieden uns deshalb für einen privaten Fahrer und zahlten 224.000 MMK, also etwa 126 Euro. Die Fahrt sollte 6 Stunden dauern.

Außerdem dachten wir, dass wir unterwegs noch ein bisschen Sightseeing machen könnten, bei privaten Fahrten immer eine Option. Kalaw z.B. mit den vielen alten Kolonialbauten aus Zeiten der britischen Besatzung soll schön sein. (Heute starten vor dort aus die dreitägigen Trekking-Touren zum Inle See.) Vielleicht wäre ja auch ein Abstecher nach Pindaya noch möglich, um sich dort die Höhle mit den über 8000 Buddha-Statuen anzuschauen, das wären nur zusätzliche 50 km ...

Nun, wie sich zeigte, war die Straße alles andere als fertig! Über weite Strecken war sie eine Baustelle und wenn Bagan schon staubig war, dann war die Fahrt zum Inle See eine noch weitaus staubigere Angelegenheit! Und wir waren mit Mittagspause 8 Stunden unterwegs, also keine Zeit für Besichtigungen und Abstecher. Zumal unser Fahrer aus der ganzen Angelegenheit einen Familienausflug machte.

Die Straße ist definitiv noch nicht fertig.
Aber der Reihe nach. Wir hatten den Transport an der Rezeption unseres Hotels gebucht. Man sagte uns, dass es ein Minibus sein würde und dass der Fahrer seine 10jährige Tochter dabei haben würde. Okay, dachten wir, so etwas ist in Asien ja nicht unüblich. Als wir morgens um 9 Uhr den Wagen bestiegen, waren außer dem Fahrer und seiner Tochter noch ein Freund des Fahrers (er wurde uns als zweiter Fahrer vorgestellt) und die Frau des Fahrers nebst 8wöchigem Baby mit an Bord. Wie sich herausstellte, lebt die Familie des Fahrers am Inle See und das neue Familienmitglied sollte der Verwandschaft vorgestellt werden.

Der Minibus bot genügend Platz, also schwiegen wir und fragten auch nicht nach einem Preisnachlass 😉

Das Baby war die ganze Fahrt über sehr brav. Immerhin.
Unterwegs: Markttag






















Unser Fahrer fuhr umsichtig, und sein ständig Betelnuss kauender Freund (total eklig diese in Myanmar weit verbreitete Angewohnheit) übernahm auch tatsächlich zweimal für ca. 1 Stunde das Steuer.

Unterwegs kamen wir an einigen Mautstationen vorbei, an denen ein Schild für Ordnung sorgte.


Mittagspause machten wir irgendwo an der Straße. Die Qualität der Speisen in der Raststätte war nicht besonders, aber auch hier gab es wieder ein Hinweisschild, das sehr nützliche Informationen lieferte.

??? Was ist eine "gewöhnliche" Person ???
Warenangebot an der Raststätte
Dieses Vehikel parkte gegenüber der Raststätte.
Durch Kalaw fuhren wir nur durch, aber ich machte ein paar Fotos aus dem Autofenster.




Ziemlich genau um 17 Uhr kamen wir in Nyaung Shwe an. Kurz vor dem Ortseingang hielten wir an einer kleinen Hütte, ein Kontrollpunkt der Polizei. Dort mussten wir pro Person 15.000 Kyat zahlen. Diese Eintrittsgebühr soll helfen, das Biosphären-Reservat des Inle-Sees zu schützen.

Obwohl wir unserem Fahrer erklärten, dass unser Hotel von Land aus erreichbar sei, bestand er darauf, dass wir ein Boot nehmen müssten, um dorthin zu gelangen. Wahrscheinlich wollte er die weiteren 10 km nicht mehr fahren und lieber zusehen, dass er zu seinen Verwandten kam ...

Unser Fahrer lieferte uns bei einem Vermittler ("Reisebürobetreiber") in Nyaung Shwe ab, der 17.000 Kyat für die Fahrt verlangte. Das war viel zu teuer! 10.000 Kyat wäre ein angemessener Preis gewesen, nur das wussten wir zu dem Zeitpunkt nicht.

So kamen wir früher als gedacht zu unserer ersten Bootsfahrt auf dem Inle-See, und das sogar zum Sonnenuntergang.




Was wir am und auf dem Inle-See erlebten? Folgt diesem Link und seht selbst.


Sonntag, 25. November 2018

Traditionelles Handwerk: Lackkunst

In Bagan besuchten wir einen Handwerksbetrieb, in dem Lackarbeiten nach einer fast 1000jährigen Tradition gefertigt werden. Diese Kunst stammt aus China und man geht davon aus, dass in Myanmar etwa im Jahr 1050 mit der Anfertigung von Lackwaren begonnen wurde. Die ältesten Stücke, die man in Bagan gefunden hat, stammen aus dem Jahr 1274.

In Myanmar sind Lackwaren normale Haushaltsgegenstände. Die Schalen und Tassen, aber auch Schatullen (z.B. zur Aufbewahrung von Thanaka-Puder) oder Vasen sind also nicht nur schön anzuschauen sondern auch nützlich. Vermutlich wurde mit dem Lackieren begonnen, um die (Holz-)Gefäße wasserdicht und haltbar zu machen.



Bei der Herstellung von Schalen, Tassen, etc. dient ein elastisches Geflecht aus Bambus als Ausgangsbasis. Bei größeren Gegenständen wie Raumteiler oder Schränke wird Holz verwendet.

Zunächst wird auf das Bambusgerüst eine Schicht Lack aus dem Saft des Thitsi-Baums aufgetragen, der sich beim Aushärten schwarz verfärbt. Die Feinarbeit erfolgt mit einer Paste aus Holzmehl, Asche und Reiswasser. Damit werden Unebenheiten abgeschliffen und kleine Lücken gefüllt. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis dass eine glatte Oberfläche entstanden ist. Da der Lack zwischendurch immer wieder aushärten muss, kann es Wochen dauern, bis das in Bearbeitung befindliche Stück soweit ist, dass es ein Muster bekommt. Dafür wird die Oberfläche angeritzt und mit gefärbtem Lack überzogen und geschliffen. In der Regel kommen fünf Farben zum Einsatz, die jeweils einzeln in separaten Arbeitsschritten aufgetragen werden.

Die Schalen werden zum Austrocknen in einem Kellerraum gelagert.
Zum Schluss verwendet man Sesamöl zum Versiegeln und dann wird das fertige Stück mit einem Büffelleder poliert. Die Arbeit an einem traditionell gefertigten Lackteil dauert zwischen sechs Monaten und einem Jahr! Entsprechend hoch sind auch die Preise ...


Im Gegensatz zu den in der sog. Ritz- und Polychromtechnik tradtitionell angefertigten Lackteilen gibt es überall auch Billigware zu kaufen. Dabei entstehen die Lackartikel auf einer Basis aus Pappe und können aus Mangel an Elastizität leicht zerbrechen. Rein optisch lässt sich jedoch kaum ein Unterschied erkennen. Als Souvenir eine preiswerte Alternative zu den kunsthandwerklich gefertigten Teilen. Letztendlich eine Gewissensfrage, die jeder Tourist für sich selbst entscheiden muss: Will ich dafür sorgen, dass das Handwerk Bestand hat und gebe dafür entsprechend mehr Geld aus oder will ich nur ein nettes Mitbringsel.



Sonnenaufgang in Bagan - Ballonfahrt

Soll ich, soll ich nicht? Die Ballonfahrt über Bagan zu buchen, war keine einfache Entscheidung. In der Nebensaison kostet es nämlich pro Person 320 USD für eine - je nach Wetterlage - 30 bis 50minütige Fahrt. Eine Menge Geld! Letztendlich nahm mir Chang die Entscheidung ab: Er zahlte. Die Ballonfahrt sollte ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk sein. Und Kathrin ließ sich nicht lange bitten: Sie wollte mit dabei sein.

Die Rezeption unseres Hotels kümmerte sich zwar kurzfristig (am Vorabend), aber erfolgreich um die Reservierung, allerdings mussten wir persönlich in das nahegelegene Büro von Balloons over Bagan, um dort die Fahrt zu zahlen. Mit dem Tuk Tuk waren wir in drei Minuten dort. Die Bezahlung war sogar auch per Kreditkarte möglich, es fielen nicht einmal Gebühren an (üblicherweise 3%).


Gestern ging es um 05:15 Uhr in der Früh los: Kathrin und ich wurden auf die Minute pünktlich mit einem urigen Holzbus abgeholt, während die Männer sich weiterhin ihren Schönheitsschlaf gönnten.


Diese Busse sind Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg. Die Kanadier hatten sie für Truppentransporte genutzt, und da es zu teuer gewesen wäre, sie zurückzubringen, blieben sie einfach vor Ort. Liebevoll restauriert bringen sie nun die Teilnehmer der Ballonfahrten von der ersten Minute an in Stimmung.

Nach ca. 15minütiger Busfahrt erreichten wir noch im Dunkeln ein freies Feld, wo auch die übrigen Anbieter für Ballonfahrten schon mit den Vorbereitungen für den bevorstehenden Start begonnen hatten.

So früh am Morgen ist es noch ziemlich kühl.
Wir bekamen erst einmal Kaffee, Tee und Kekse und konnten dabei zusehen, wie die Ballons angeheizt wurden und sich ein Ballon nach dem anderen langsam aufrichtete.



Ach ja, sogar ein Brautpaar war mit von der Partie!



Nach einem kurzen Briefing durch unseren Piloten Mike ging es los. Wir und die weiteren 14 Passagiere kletterten in den Korb und wir hoben ab.


Es war ein tolles Gefühl! Insgesamt schwebten 20 Ballons an diesem Morgen über dem Pagodenfeld: rote, grüne und gelbe, bzw. Balloons over Bagan, Oriental Ballooning und Golden Eagle.

Und dann ging die Sonne auf.


Diese Aufnahme entstand mit der Bordkamera. Nach der Fahrt bekommt man
einen Internet-Link, und man kann sich die Fotos downloaden.

Die Pagoden und Tempel Bagans aus der Vogelperspektive zu sehen, war wirklich etwas Besonderes!





Wir überflogen auch den künstlichen Hügel, von dem aus wir gestern den Sonnenuntergang beobachtet hatten. Heute winkten wir den Menschen, die den Sonnenaufgang und die Ballons sehen wollten, von oben aus zu.


Nach ca. 40 Minuten Ballonfahrt machten wir uns zum Absteigen bereit. Die Landung war ausgesprochen sanft.



Sobald wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, gab es ein kleines, aber feines Champagner-Frühstück. Und zwar echten Champagner, unter Ballonfahrern hat das Tradition 😋




Anschließend bekamen wir noch ein Zertifikat und eine Baseballmütze als Andenken. Und dann ging es mit dem Bus zurück ins Hotel.

Es war ein wunderbares Erlebnis, eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Danke, Chang, für das tolle Geschenk!

PS: Selbst bei Höhenangst kann man sich eine Ballonfahrt gönnen. Durch die hohe, gut gepolsterte Brüstung des Korbes fühlt man sich sicher. Und im Falle eines Falles kann man sich immer noch auf die Bank im Innern setzen.